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27. Januar 2016

Johannes Enders/Günter Baby Sommer - Sources


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27. Januar 2016

Johannes Enders/Günter Baby Sommer Duo

Eine Mitte finden und abheben

Zwei Individuen aus unterschiedlichen Generationen mit abweichenden Herkünften, Sozialisationen und Weltaneignungsgeschichten. Zwei Professoren ihrer Instrumente, zwei Weltbürger mit festen Wurzeln in Sachsen und Oberbayern. Der Schlagzeuger und der Saxofonist, zwei Neugierige, zwei Gierige nach Neuem. Auf eine Einladung nach Dresden folgte eine Gegeneinladung nach Weilheim. Dort wurde zwei Tage lang Enders Room zum Abenteuerspielplatz zweier Individualisten, die auf je eigene Art sehr persönliche Spielweisen ausformten und so zu zentralen Protagonisten der hiesigen Jazzszene wurden, in die sie immer wieder Neues einspeisten in diversen Spielkonstellationen und so deren Strahlkraft steigerten, national und international. Nun also das Dokument dieser deutsch-deutschen Begegnung. Keine Overdubs, keine Rückversicherungen, keine falschen Tricks, stattdessen das Wagnis der Improvisation – naturbelassen, intim, offen für die Ideen des anderen. Hier Baby Sommer, der an seinem hochgradig ausdifferenzierten Drumset Maßstäbe für Souveränität setzte, da der „fröhliche Melancholiker“ Johannes Enders mit seinem mild-erdigen Ton. Zwei Autoritäten, die nicht autoritär werden müssen, zwei Geschichtenerzähler von Gnaden, die sich anfeuern, zuhören, die reagieren aufeinander und miteinander und eine gemeinsame Mitte finden, von der sie abheben können zu innig verschränkten Gedankenflügen: ungeschwätzig, zugeneigt, filigran und gravitätisch. „Das war der Wendepunkt in meinem Leben, als ich nicht mehr nur die großen amerikanischen Meister wie Art Blakey, Max Roach und Philly Joe Jones kopiert habe“, erinnert sich Baby Sommer an seine Emanzipation, die er inzwischen ein halbes Jahrhundert lang schon zu immer neuen Resultaten führt fern der Routine. Auch Johannes Enders geht es um dieses „Rausdestillieren des Wesentlichen“, um dieses „unaufgeregte Finden von Gegenpositionen zur Hektik der Zeit“. „Musik hat viel Trost im Chaos der Dinge“, sagt er. Gute Voraussetzungen für diese Dialoge, die vom Ich zum Wir führen. Elf Stücke, fest verwurzelt in einer großen Jazztradition, ergeben ein gemeinsames Fest der Improvisation. Sommer pulst gnadenlos die Rhythmen, schichtet die Nuancen, gießt einen sicheren Grund, Enders bringt sein Arsenal der Holzblasinstrumente in Stellung, hebt ab, schwelgt, forciert, doppelt mal die Saxofone wie weiland Roland Kirk, entfaltet Druck und Dringlichkeit, trifft sich mit Sommer in grandiosem Call and Response. Derart spannende Diskurse setzen Erfahrung voraus und Sensibilität. Enders hat ein Faible für Schlagzeuger, das er besonders mit Billy Hart in große Höhen geführt hat. Sommer ist ein idealer Partner, ein Ideenpulverfass, ein ausgefuchster Impulsgeber, ein detailversessener Vorantreiber, der den Fluss am Laufen hält. „Sources“ legt Ursprünge und Quellen bloß und kanalisiert sie in einen kurzweiligen Fluss der Ereignisse, fantasievoll, dringlich und zutiefst beseelt: ein Gipfeltreffen.

Ulrich Steinmetzger

 

 
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